Heilig-Geist-Kirche

Der deutsche Kirchenbau beider Konfessionen entwickelte nach 1945 immer deutlicher jene Formen, deren gemeinsamer Nenner nicht mehr das entlang einer Symmetrieachse aufgebaute Langhaus ist, sondern der als Vieleck oder Mischform von Kreis und Oval oder Quadrat entwickelte Zentralbau.

Dieser Drang zur Zentralisierung, die die von West nach Ost und vom Langhaus in den Hochchor geführte Weg-Kirche ablöst wie die daran gebundene monologische Liturgie, beherrscht seit etwa 1960 die Szene. In der katholischen Kirche wurde sie durch das zweite Vatikanische Konzil ausdrücklich sanktioniert.

Diese architekturgeschichtliche Entwicklung prägte auch die Bauweise der Heilig – Geist – Kirche in Emmerich-Leegmeer. Sie beeindruckt als modernes Gebäude mit originellem Erscheinungsbild. Die am Pfingstfest des Jahres 1966 durch den münsterischen Weihbischof Heinrich Baaken konsekrierte Kirche wurde nach dem Entwurf und Modell des Architekten Georg Dieter Baumewerd aus Münster errichtet.

Die Heilig – Geist – Kirche besteht aus sechs Einzelelementen, die sich zu einem Zentralbau zusammenfügen. Der auf die Altarinsel hin ausgerichtete Innenraum ist durch die sechs unterschiedlich hohen Pilzdächer gegliedert.

Das Problem des Zentralbaus und seiner Liberalität gegenüber allen Raumteilen ist die Notwendigkeit der Markierung des sakralen Zentrums, da auch der mündige Christ durch den Raum zur Mitte dessen geführt werden muss, was nun einmal das Wesentliche des Kirchengebäudes ausmacht.

Optisch markiert das gewaltige Kreuz unübersehbar die Mitte. Es ist wahrlich kein Kreuz, das eine triumphale Überwindung von Leid und Tod verkündet. Aber mit seiner Botschaft vom Scheitern des Menschen und seiner Ohnmacht angesichts von Leid und Tod, ja sogar von seiner Verlassenheit gerade im und am Kreuz ist es den Menschen näher, als sie zunächst selbst empfinden können oder wollen. Geschaffen wurde provozierende Altar- und Kreuzlösung vom Emmericher Künstler Waldemar Kuhn.

Der Bau eines Glockenturms musste zunächst zurückgestellt werden. Erst nach mehrjährigen Spendenaktionen, an denen sich neben den Gemeindemitgliedern auch Freunde und Gönner unserer inzwischen weit über die Pfarrgrenzen hinaus bekannt gewordenen Kirche beteiligten, konnte Pfingsten 1989 der Glockenturm mit den fünf Glocken feierlich geweiht werden. Auch hier konnte Prof. D. G. Baumewerd als Architekt gewonnen werden. Der Turmabschluss und der vergoldete Turmhahn wurden von den Lehrwerkstätten des Kolping-Bildungswerkes Emmerich geschaffen.

Anschrift
Heilig-Geist-Kirche
Wassenbergstraße
46446 Emmerich am Rhein